Zum Inhalt springen
Zementindustrie· 2 Min. Lesezeit

Adani Cement testet 2026 in Indien CO₂-Abscheidung und elektrische Wärme

Adani Cement und Leilac testen CO₂-Abscheidung und hybride elektrische Beheizung in Gujarat, um kohlenstoffärmeren Zement mit erneuerbarer Energie zu skalieren.

Quelle: Adani Group

Adani Cement tests carbon capture and electric heat in India 2026

Das Sanghipuram-Projekt

Adani Cement hat einen neuen Dekarbonisierungspfad für Indien eröffnet: Ambuja Cements, ein Unternehmen der Gruppe, hat eine Vereinbarung mit Leilac unterzeichnet, um einen kommerziellen Weg zu kohlenstoffärmerem Zement in Sanghipuram, Gujarat, zu entwickeln. Die Unternehmensmitteilung vom 22. Juni 2026 beschreibt eine Demonstration, bei der CO₂-Abscheidung mit hybrider elektrischer Beheizung in einem Zementwerk kombiniert wird. Der Ansatz zielt darauf ab, Emissionen zu senken, den Brennstoffverbrauch zu reduzieren und den Einsatz erneuerbaren Stroms im Prozess zu erhöhen.

Der relevante technische Punkt ist nicht nur die nachgeschaltete CO₂-Abscheidung. Das Projekt wird testen, ob elektrische Wärme in den thermischen Kern des Betriebs integriert werden kann, und, sofern die Demonstration erfolgreich ist, zu einer skalierbaren Plattform für kohlenstoffärmeren Zement in Indien werden.

Warum jetzt

Der Schritt erfolgt, während indische Zementhersteller versuchen, Kapazitätswachstum, erneuerbare Energie und Klimadruck in Einklang zu bringen. Adani Cement stellt die Allianz als Teil einer umfassenderen, SBTi-validierten Netto-Null-Strategie bis 2050 dar. Das Unternehmen verknüpft die Initiative zudem mit eigenerzeugtem erneuerbarem Strom und der Möglichkeit, die Wirtschaftlichkeit der CO₂-Abscheidung zu verbessern.

Für den Markt ist das Signal eindeutig: Die Dekarbonisierung von Klinker beschränkt sich nicht mehr auf schrittweise Effizienzsteigerungen oder Zementmischungen. Sie tritt in eine industrielle Testphase ein, in der Elektrifizierung, Abscheidung, alternative Brennstoffe und kontinuierlicher Betrieb koexistieren müssen, ohne Qualität oder Verfügbarkeit zu beeinträchtigen.

Die Knergy-Perspektive

Für KNERGY ist diese Nachricht relevant, weil sie bestätigt, dass der Wettbewerbsengpass in der thermischen Integration über den gesamten Pyroprozess liegen wird. Eine elektrische Heizung oder eine Abscheidungseinheit kann Emissionen senken, doch der Ofen benötigt weiterhin eine stabile Flamme, ausreichende Wärmeübertragung und Flexibilität gegenüber variablen Brennstoffen. Lokalisierte H₂/O₂-Einspeisung kann ein ergänzender Hebel sein: Sie erhöht die Verbrennungsreaktivität, unterstützt die Mitverbrennung von AFR und kann Spielraum für einen geringeren thermischen Verbrauch schaffen, wobei der technische Referenzwert von 30–70 kcal/kg nur als analytischer Bereich verwendet wird, sofern Anlagendaten dies stützen.

Die industrielle Frage lautet nicht, ob eine einzelne Technologie das Kohlenstoffproblem des Zements lösen wird, sondern wie die einzelnen Ebenen koordiniert werden. Wenn Adani Cement erneuerbaren Strom, Abscheidung und alternative Brennstoffe kombiniert, welcher Einspeisepunkt, welche H₂/O₂-Rate und welche Steuerungslogik würden Flammenprofil, Ausbrand und Klinkerqualität aufrechterhalten, ohne die Betriebsstabilität zu verlieren?

Zu beobachtende Meilensteine

Der erste Meilenstein wird der Nachweis sein, dass die Demonstration mit reproduzierbaren Daten laufen kann, ohne die thermische Komplexität in ein Produktionsrisiko zu verwandeln. Die nächste Frage wird die Skalierung sein: Wie viel fossiler Brennstoff kann tatsächlich verdrängt werden, welcher Anteil des abgeschiedenen CO₂ hat eine praktikable Nutzung oder Speicherung, und wie wird erneuerbarer Strom mit der kontinuierlichen thermischen Nachfrage integriert.

Wenn das Projekt voranschreitet, wird Indien über eine wichtige Referenz für die Kombination von Abscheidung und Elektrifizierung im Zementbereich verfügen. Für andere Unternehmensgruppen wird die Lehre sein, das Gesamtsystem zu betrachten: Ofen, Calcinator, Brennstoffe, Elektrizität, Abscheidung und Steuerung müssen als Prozessarchitektur konzipiert werden, nicht als isolierte Ausrüstung.

Anlage kalkulieren