Akçansa 2026: Alternative Brennstoffe im Fokus der Zementherstellung
Akçansa erklärte in seinem integrierten Bericht 2025, den Einsatz alternativer Brennstoffe erhöht und die Versorgungsinfrastruktur für Ersatzbrennstoffe (EBS) gestärkt zu haben.
Quelle: Akçansa 2025 Entegre Faaliyet Raporu
Operatives Signal
Im Integrierten Geschäftsbericht 2025 positioniert Akçansa alternative Brennstoffe als klaren Hebel seiner Klima-Roadmap. Das Unternehmen gibt an, dass die Nutzungsrate alternativer Brennstoffe von 20,3 % im Jahr 2024 auf 21,9 % im Jahr 2025 gestiegen ist, und hält am Ziel von 35,0 % bis 2030 fest. Der Bericht weist zudem aus, dass 2025 rund 65.000 Tonnen Biomasseabfälle energetisch verwertet wurden.
Der konkreteste Punkt betrifft die Versorgungsinfrastruktur. Akçansa berichtet, eine zehnjährige strategische Zusammenarbeit mit Akademi Çevre für eine Anlage zur Aufbereitung von Ersatzbrennstoffen (EBS) mit einer Kapazität von 60.000 Tonnen pro Jahr gestartet zu haben; die Anlage nahm im Oktober 2025 den Betrieb auf. Das Unternehmen strebt an, über die Vertragslaufzeit rund 130.000 Tonnen CO₂-Emissionen zu vermeiden.
Was ändert sich für den Ofen?
In der Zementherstellung ist eine EBS-Aufbereitungsanlage allein noch keine Emissionsminderung; sie schafft die operative Grundlage dafür, dass der Ofen einen Teil des fossilen Brennstoffs durch aufbereiteten, abfallbasierten Brennstoff ersetzen kann. Diese Entwicklung adressiert drei bei der Mitverbrennung häufig auftretende Einschränkungen: kontinuierliche Versorgung, physikalische Brennstoffqualität und die Fähigkeit zur Dosierung, ohne die Ofenstabilität zu beeinträchtigen.
Akçansa stellt diesen Schritt im Rahmen der Kreislaufwirtschaft und einer emissionsarmen Produktion dar. Das Thema sollte daher nicht nur als Abfallmanagement gelesen werden; die eigentliche industrielle Bewährungsprobe besteht darin, Flammenstabilität, Kalzinierung und Klinkerqualität zu erhalten, während die Heterogenität des Brennstoffs zunimmt.
Knergy-Perspektive
Aus Sicht von KNERGY ist das relevante Signal, dass Akçansa Raum für eine höhere Mitverbrennungsrate von AFR (alternativen Brennstoffen und Rohstoffen) schafft. Genau an diesem Punkt könnte die lokale H₂/O₂-Einspritzung eine technisch fundierte Diskussion eröffnen. Mit steigendem Anteil alternativer Brennstoffe können Feuchtigkeit, Korngröße, langsamere Verbrennungskinetik und chemische Variabilität den Betreiber vor Herausforderungen stellen. Ein reaktives Wasserstoffgemisch mit eigener Sauerstoffversorgung könnte – vorausgesetzt, es wird nicht als in der Akçansa-Anlage bereits bewiesene Leistung dargestellt – als Prozesswerkzeug bewertet werden, das Zündung und Verbrennungsgeschwindigkeit im Kalzinator oder im Hauptbrennerkreislauf unterstützen kann.
Die industrielle Frage ist nicht, ob EBS gut oder schlecht ist, sondern wie stark die Substitutionsrate gesteigert werden kann, ohne Druck auf CO, unverbrannten Kohlenstoff, Temperaturschwankungen oder die Klinkerqualität auszuüben. Die KNERGY-Analyse würde hierbei Flammenkurven, verfügbaren Sauerstoff, Schwefelverhalten, EBS-Feuchtigkeit und das Ansprechverhalten des Zuführsystems betrachten. Wie sollten Einspritzpunkt und Regelkreis gestaltet werden, um ein größeres EBS-Angebot in eine tatsächliche thermische Substitution umzusetzen?
Zu beobachtende Indikatoren
Die zentralen Indikatoren ab jetzt sind die Rate alternativer Brennstoffe, die Leistung der EBS-Anlage, die Zusammensetzung des in den Ofen eingebrachten Brennstoffgemischs sowie die Entwicklung prozess- und verbrennungsbedingter Emissionen. Zudem sollte beobachtet werden, ob sich diese Entwicklung nicht nur im Angebot an aufbereitetem Brennstoff niederschlägt, sondern in konkreten integrierten Anlagen auch in einer höheren Substitutionsrate.