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Zementindustrie· 2 Min. Lesezeit

Akçansa öffnet im Bericht 2025 den industriellen H2/O2-Weg

Der Akçansa-Bericht 2025 bündelt die Forschung zu H2/O2, RDF und kalziniertem Ton in der türkischen Zementindustrie unter derselben Dekarbonisierungsagenda.

Quelle: Akçansa 2025 Entegre Faaliyet Raporu

Akçansa 2025 raporunda H2/O2 sanayi rotasını açıyor

Die Innovation der Türkei liest sich vom Ofen ab

Der Integrierte Geschäftsbericht 2025 von Akçansa sendet ein wichtiges Signal für die türkische Zementindustrie: Dekarbonisierung wird nicht mehr nur als Portfolio kohlenstoffarmer Produkte behandelt, sondern auch als technologische Transformation des Produktionsprozesses selbst. Der am 30. Juni 2026 auf der Unternehmenswebsite der Gruppe veröffentlichte Abschnitt zu Forschung, Entwicklung und Innovation stellt kohlenstoffarme Produktionstechnologien, Abfallverwertung, alternative Materialien sowie die Erforschung des Einsatzes von Wasserstoff und Sauerstoff im Brennstoffmix in einen gemeinsamen Rahmen.

Diese Nachricht ist relevant, weil sich in dem Markt, in dem Akçansa tätig ist, Energiekosten, Zementleistung und Klimadruck an genau einer Stelle treffen: dem Klinkerofen. Anstatt eine einzelne Lösung hervorzuheben, zeigt der Bericht ein Portfolio, das Produktinnovation, Zirkularität und die Energieseite gemeinsam betrachtet.

Ein Portfolio von RDF bis H2/O2

In der von Akçansa vorgestellten Agenda findet sich eine zehnjährige strategische Zusammenarbeit für eine RDF-Anlage mit einer Jahreskapazität von 60.000 Tonnen; das Unternehmen strebt mit diesem Brennstoff eine CO2-Einsparung von 130.000 Tonnen an. Bei den Pilotversuchen mit kalziniertem Ton in Ladik und Çanakkale wird eine Tonzugabe von 7% in der Klinkerkühlphase berichtet, mit dem Ziel einer jährlichen CO2-Einsparung von 20.000 Tonnen.

Derselbe Abschnitt verknüpft diesen Weg auch mit dem Projekt für grünes Methanol in Çanakkale. Im von Akçansa vorgestellten Gesamtplan wird eine jährliche Produktion von 50.000 Tonnen grünem Methanol aus dem im Rauchgas abgeschiedenen CO2 angestrebt; dafür werden 9.400 Tonnen H2 benötigt, und es ist vorgesehen, jährlich 70.000 Tonnen CO2 zu nutzen.

KNERGY-Perspektive

Aus Sicht von KNERGY liegt die technische Kernfrage darin, wie sich die H2/O2-Forschung in Stabilität des Pyroprozesses übersetzen lässt. Lokale Wasserstoffeinblasung zusammen mit Sauerstoff kann dazu beitragen, dass Petrolkoks, Kohle oder RDF nicht einfach mit mehr Luft, sondern mit einer reaktiveren Verbrennungszone besser verbrennen. Will der Ofen mehr alternativen Brennstoff verfeuern, stellt sich nicht nur die Frage, wie viel H2 zugeführt wird, sondern auch, wo das Gas eintritt, mit welcher O2-Begleitung es eingespeist wird, wie die Flammenkontrolle erfolgt und wie die Wärme auf Mehl und Klinker übertragen wird. Im Kontext der Agenda für RDF, kalzinierten Ton und CO2-Abscheidung/-Nutzung geht es darum, das vertretbare operative Hebelfenster zu erweitern: mehr alternativer Brennstoff, bei geeigneter Baseline eine potenzielle Senkung des spezifischen Wärmeverbrauchs von 30–70 kcal/kg sowie eine indirekte CO2-Minderung über den vermiedenen Brennstoff. Die offene Frage lautet: Wo würde eine H2/O2-Mikrodosierung im Calcinator oder im Hauptbrenner von Akçansa den größten Stabilitätsgewinn erzielen, ohne Qualität und Sicherheit zu beeinträchtigen?

Was als Nächstes zu beobachten ist

Der Bericht besagt nicht, dass Akçansa eine kommerzielle H2/O2-Lösung im Ofen eingerichtet hat; die Nachricht sollte daher als F&E-Signal und nicht als Betriebsergebnis gelesen werden. Die nächste Schwelle wird sein, ob sich die Forschung zu einem industriellen Pilotprojekt entwickelt, ob eine Verbindung zu alternativen Brennstoffen hergestellt wird und ob die öffentlich zugänglichen Kennzahlen künftig Materialwirkung, Energiewirkung, CO2-Abscheidung/-Nutzung und Prozesskontrolle getrennt ausweisen. Für die Türkei ist diese Unterscheidung entscheidend: Nicht alle kohlenstoffarmen Wege setzen am selben Punkt des Klinker-Engpasses an.

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