Holcim eröffnet CaptureLab für Tests zur CO₂-Abscheidung
Holcim eröffnet CaptureLab in Frankreich für Tests mit realen Zementgasen; der Business Case muss Abscheidung und thermische Effizienz trennen.
Fuente: Holcim
CaptureLab schafft eine industrielle Testumgebung
Holcim gab am 10. Juni 2026 die Eröffnung von CaptureLab in Frankreich bekannt und bezeichnete die Anlage als erste Testplattform der Zementindustrie für Kohlenstoffabscheidung. Das Areal umfasst 2,500 m² und ist an reale Gase aus der Zementherstellung angeschlossen. Damit können Anlagen an einem industriellen Gasstrom geprüft werden und nicht ausschließlich unter Laborbedingungen.
Die [Mitteilung von Holcim](https://www.holcim.com/media/media-releases/first-carbon-capture-test-platform) nennt Air Liquide als Betreiber des ersten Pilotprojekts. Die [Mitteilung von Air Liquide](https://www.airliquide.com/group/press-releases-news/2026-06-10/air-liquide-starting-co2-capture-pilot-unit-dedicated-decarbonization-cement-industry) bestätigt den Start dieser Pilotanlage für die Dekarbonisierung der Zementindustrie. Keine der beiden Firmen veröffentlichte in den Mitteilungen gemessene Leistungsdaten des CaptureLab-Piloten, Kosten je Tonne, Energieeinsparungen oder Betriebsergebnisse der Plattform.
Was gemessen wird und was nicht
Eine Plattform mit realen Gasen kann den Abstand zwischen einer Abscheidetechnologie und ihrem Verhalten im Zementwerk verkleinern. Die Abscheidebilanz beginnt jedoch erst, nachdem der Ofen das Gas erzeugt hat. Sie erfasst, wie viel Kohlendioxid getrennt wird, welchen Energiebedarf das Verfahren hat und unter welchen Betriebsbedingungen es funktioniert. Die Wärmebilanz besitzt eine andere Grenze: Brennstoff, Luft, Verbrennungsstabilität, Klinkerproduktion und die Fähigkeit, AFR aufzunehmen.
Wer beide Bilanzen vermischt, erhält einen irreführenden Business Case. Eine Abscheideeinheit behandelt den eintretenden Gasstrom; eine thermische Verbesserung kann dessen Volumen und Zusammensetzung bereits vorher verändern. CaptureLab bietet einen Ort für die Messung des ersten Teils. Die Mitteilungen nennen weder eine Ofen-Baseline noch eine Verbesserung der thermischen Effizienz durch die Plattform.
Der Knergy-Blickwinkel
Um nicht erschlossene Effizienz in Euro zu bewerten, ist nicht die Nennkapazität einer Abscheideeinheit der Ausgangspunkt, sondern eine betriebliche Baseline des Ofens. Dazu gehören spezifischer Wärmeverbrauch, Brennstoffmix, AFR-Niveau, Klinkerleistung, Stabilität und Qualität über einen vergleichbaren Zeitraum. Erst danach lässt sich der Wert eines geringeren Brennstoffverbrauchs oder eines höheren Anteils alternativer Brennstoffe von Kosten und Nutzen der Kohlendioxidabscheidung trennen.
Die öffentlichen Quellen nennen für diesen Standort keine Spanne thermischer Einsparungen, und auch KNERGY verfügt hier über kein gemessenes Ergebnis. Ein angenommener Wert darf nicht in das Finanzmodell eingehen. Diese Lücke dient dazu, die Prüfung zu strukturieren: Welcher Teil der thermischen Chance existiert, welche betrieblichen Grenzen verhindern seine Nutzung und wie verändert er den später zur Abscheidung geleiteten Gasstrom? Dafür sind Werksdaten, eine Massen- und Energiebilanz sowie ein Business Case mit nachvollziehbaren Annahmen erforderlich. KNERGY müsste Baseline und Mechanismus im Ofen belegen, bevor irgendeine Zahl mit wirtschaftlichem Wert verknüpft wird.
Fehlende Daten für den Business Case
Die Mitteilungen nennen den Betreiber der Plattform, ihren Standort, ihre räumliche Größe und das erste Pilotprojekt. Sie enthalten keine Angaben zur gemessenen Leistung des CaptureLab-Piloten, Energiebedarf, Testkosten, Ergebniszeitplan oder zu einer zugehörigen thermischen Baseline. Diese Daten sind nötig, um zwei unterschiedliche Entscheidungen zu vergleichen: den Ofen vor dem Schornstein zu optimieren und anschließend das verbleibende Kohlendioxid abzuscheiden.
CaptureLab stellt bereits eine industrielle Infrastruktur mit realem Gas bereit. Der vollständige Business Case bleibt offen, bis Holcim und die Beteiligten gemessene Ergebnisse und vergleichbare Bilanzgrenzen veröffentlichen.